„Von Α bis Ω, von A bis Z…" - „Am Anfang war das Wort, …- und dann?"

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Auslobung eines Kunstpreises und Ausstellungsprojekt für das Kreuzfest in Wiesbaden 2012

Das alljährlich im Bistum Limburg gefeierte Kreuzfest wird jedes Jahr in einem anderen der insgesamt elf Bezirke des Bistums ausgerichtet. Im September 2012 wird es in Wiesbaden unter dem Titel „Quellen des Heils“ gefeiert.

Anlässlich des Kreuzfestes in Wiesbaden hat die Initiative Kirche und Kultur einen Kunstpreis ausgelobt. Künstlerinnen und Künstler, die im Bistum Limburg leben und arbeiten, wurden von uns aufgefordert, sich mit dem Thema „Von Α bis Ω, von A bis Z…- „Am Anfang war das Wort, …- und dann?" künstlerisch auseinanderzusetzen und ihre Position darzulegen. Eine qualifizierte Jury, bestehend aus Vertretern des Bistums und der Stadt Wiesbaden, hat aus der Fülle der Einsendungen drei erste Plätze prämiert und zehn weitere Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung in ausgewählten katholischen Kirchenräumen des Stadtgebietes vorgeschlagen. Ab dem 24. August bis zum 23. September 2012 bitten ausgewählte Kunstwerke in den Kirchorten St. Bonifatius, der Kapelle im RoncalliHaus, St. Mauritius, St. Andreas, St. Elisabeth, Mariae Heimsuchung im Kohlheck und St. Birgid in Bierstadt zum Gespräch. Zu den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern zählen Anna Herrgott, Martin Hunke, Yuriy Ivashkevich, Matthias Korb, Jesse Magee, Romana Menze-Kuhn, Ulla Reiss, Sylvia Richter-Kundel, Judith Röder, Brigitte Sterz, Nicolaus Werner, Jean Claude Wiedl und Ute Wurtinger. Das Spektrum der eingereichten Werke reicht von Malerei bis zur raumgreifenden Installation, von Glasarbeiten bis zu filigranen Schöpfungen aus Naturmaterialien.
Das Rahmenprogramm wie regelmäßig angebotene Führungstermine, Konzerte, Künstlergespräche und Lesungen entnehmen Sie bitte dem ausstellungsbegleitenden Prospekt

Jury:

Rose-Lore Scholz, Kulturdezernentin
Dr. Alexander Klar, Direktor Museum Wiesbaden
Dr. Gabriel Hefele, Bistum Limburg
Renate Reifert, Vorstand des BBK
Katinka Fischer, Kulturjournalistin FAZ Rhein Main
Dr. Simone Husemann, Projektleitung Initiative „Kirche und Kultur“

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

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Fotos von Benjamin Dahlhoff, Wiesbaden
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Wie Hildegard heute klingen würde

Mit gewaltigem Erfolg ging „Hildegard und Disibod“ als Freilichtkonzert vor der eindrucksvollen Kulisse des Disibodenbergs ein letztes Mal über die Bühne. Dieses Mal in der Odernheimer Niedermühle.
„Hildegard und Disibod“, das ist ein vielschichtiges Chorprojekt. In den Annäherungen des zeitgenössischen irischen Musikers und Komponisten Michael McGlynn an die Musik Hildegards von Bingen hat Roland Lißmann, Kreiskantor des Kirchenkreises Obere Nahe, Mittelalter und Moderne wirkungsvoll zusammengebracht.
In ihrer ursprünglichen Form und in moderner Bearbeitung von McGlynn präsentierten die Chöre die eindrucksvollen Wechselgesänge Hildegards. Weitere mittelalterliche Gesänge und irische Volksmusik rundeten den Kreis der Stücke ab, Jazzimprovisationen bildeten einen spannenden Widerhall Hildegardscher Themen.
Mit FriFraVoice, dem Mädchen- und Frauenchor Obere Nahe, der von Lissmann geleitet wird, und den „hohen Stimmen“ von arSoni aus Wiesbaden, die unter der Leitung von Holger Wittgen stehen, haben sich zwei Chöre gefunden.
Kaum hätte man geglaubt, dass nach den Aufführungen in Wiesbaden, Bingen und Fischbach nochmals derart viele Menschen angezogen werden würden. Autos aus Bingen waren ebenso häufig zu sehen wie aus Wiesbaden oder Idar-Oberstein. All diese Besucher hatten den Vorzug, das Konzert dort genießen zu können, wo die fiktive Begegnung von Hildegard und Disibod einzig denkbar wird: am Disibodenberg.
Und so fand auch der Einzug der Stimmen unter Trommelbegleitung zu einem Prolog statt, der dem auf dem Disibodenberg entstandenen Buche Scivias entnommenen war - der Kern, von dem das Konzert ausging. Auf die Frage, wie Hildegard heute vielleicht klingen könnte, haben Chöre und Musiker eine Antwort gegeben.
Erstaunlich war auch, wie hervorragend die Organisatoren den Andrang schafften. Problemlos bewältigte die Odernheimer Feuerwehr die Einweisung der Parkplatzsuchenden. Und als die zunächst erwartete Zahl von 200 Gästen sich nahezu verdoppelt hatte, war mit einer genügenden Zahl von Bänken auch hierfür gesorgt.
Vor allem tat das Wetter den notwendigen Rest. Als die Sängerinnen zum Prolog unter Trommelschlägen die Bühne erstiegen, schienen sich selbst die leicht gekräuselten Schönwetterwölkchen im Klang der Hildegard wiegen zu wollen.

31.08.2011 - ODERNHEIM
Von Wihelm Meyer

Via Dolorosa

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Ein Kreuzweg der Künstlerin Lilian Moreno Sánchez

Die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez stellte während der Fastenzeit, vom 19. Februar bis zum 9. April 2010, im Wiesbadener KulturKirchort Dreifaltigkeit einen Kreuzweg der besonderen Art aus: 14 Stationen umfasst die von ihr gestaltete Via dolorosa, die in der Dreifaltigkeitskirche in einen spannungsvollen Rhythmus zu den steinernen, in die Seitenschiffswand eingelassenen Kreuzwegstationen des frühen 20. Jahrhunderts treten wird.
Lilian Moreno Sánchez aktualisiert die vor allem seit dem Barock in der Ausstattung von Kirchenräumen übliche Form eines vierzehnteiligen Kreuzwegzyklus. Einfaches weißes Linnen ehemaliger Krankenhausbettwäsche dient ihrer Via dolorosa als Bildträger. Die Aufteilung der Bildfläche in ein dem goldenen Schnitt verpflichteten Schema wiederholt sich in einem wohltuenden gleichbleibenden Turnus. Nicht allein bildliche Darstellung und Text treten zueinander, sondern auch die Wahl unterschiedlichster Gestaltungstechniken und Materialien prägen das Erscheinungsbild der einzelnen Stationen. Im Zentrum eines jeden Bildes steht der Mensch. Mit Röntgenstrahlen durchleuchtete Thoraxaufnahmen, die tatsächliche Mitte des Menschen, Platz seiner Seele und seines Herzen, besetzt die gestalterische Mitte der Stationsbilder des Leidensweges Jesu Christi. Durch Fragmente von Altartüchern getrennt, tritt neben diese Dokumentation dessen, was Mensch ist und ausmacht, ein Bildzitat der italienischen Renaissance, die ebenfalls den Menschen in ihre Mitte erhob. Jeweils ein schmaler Streifen aus der in der Münchner Pinakothek bewahrten „Beweinung Christi“ von der Hand Sandro Botticellis (1445-1510) lädt als Eingangsimpuls zum Eintritt in die Station ein. Der Farbe entleert agieren die Bildgestalten in schwarzweißer, manchmal auch in Negativform, vor einer goldenen Hintergrundfolie. Auch das Schriftbild ist mit goldenem Pinsel ausgeführt. Den Textauszügen aus dem spanischen Buch Infarto del Alma (Seeleninfarkt) der chilenischen Schriftstellerin Diamela Eltit treten Zitate aus deutschen Erste-Hilfe-Büchern entgegen. Es finden sich Aussagen wie „Es sollte kein Gespräch aufgedrängt werden“ oder „Der Verletzte fühlt sich angesichts der Notsituation machtlos und ist verunsichert. Todesangst“. Die Bildtafeln überziehen Nähte, als wollten sie offene Wunden verschließen. Schönheit und Leiden, Göttliches und Menschliches werden in diesen Kreuzwegbildern von Lilian Moreno Sánchez einander gegenübergestellt. Ecce homo! Siehe der Mensch! „Insofern wir das geschundene Antlitz Christi anschauen, betrachten wir unser Antlitz.“ (Georg Maria Roers SJ). Behutsam entfaltet Lilian Moreno Sánchez vor unseren Augen einen Kreuzweg, der in seiner Aktualität uns hier und jetzt zur Compassio auffordert.

Kunstpredigten und Führungen begleiteten die Ausstellung. Zeitgleich wurde in der KunstKulturkirche Frankfurt am Main der Passionszyklus von Lilian Moreno Sánchez gezeigt.
 

„Sag an, wer ist doch diese?
Göttinnenfiguren und Marienbilder“

„Sag an, wer ist doch diese? Göttinnenfiguren und Marienbilder“

Die Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden hat zusammen mit dem frauen museum der Stadt eine sehenswerte Ausstellung zusammengetragen, in der sich vorgeschichtliche Frauen- und Göttinnendarstellungen und Madonnenbilder begegneten. Am 7. Dezember schloß die Ausstellung ihre Tore.

Es gibt jedoch einen 240 Seiten starken, sehr gut bebilderten Katalog, der alle Exponate in teilweise großformatigen Farbfotos und mit ausführlichen Beschreibungen vorstellt. An den Katalogteil schließt sich eine Aufsatzsammlung an. Die Autoren und Autorinnen vermitteln ein komplexes Bild des spirituellen, theologischen und lebenspraktischen Zusammenhangs, in dem die Objekte entstanden sind. Ein Glossar und ein umfangreiches Literaturverzeichnis vervollständigen die Textsammlung.

Göttinnenfiguren und Marienbilder. Sag an, wer ist doch diese…? Ausst. Kat. Wiesbaden 2008, 25 Euro (zu beziehen über die Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden)

„God & Goods –
Spiritualità e Confusione di Massa”
in der Villa Manin

Bis zum 28. September 2008 war in der prachtvollen Dogenvilla Manin in Codroipa bei Udine die Ausstellung „God & Goods – Spiritualità e Confusione di Massa” zu sehen. Der ungewöhnliche Fokus der Ausstellung lag auch hier – ähnlich wie bei der jetzt im Münchner Haus der Kunst gezeigten Ausstellung „Traces du Sacré – auf den Themen Religion, Spiritualität und Glaube im Diskurs zeitgenössischer Kunst. Die Kuratoren versuchten zudem, in 28 Positionen von Gegenwartskunst Fragen des Heiligen und der Spiritualität im Verhältnis zum Materiellen, existentiellen Fragen und Wahrnehmungsphänomenen, sowie Mechanismen des Glaubens in Beziehung zu Marktmechanismen nachzugehen.

(Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von kunst und kirche, 2008, S. 51)